Wir haben da mal nachgerechnet

Es geht um die Behauptung der HWL-GmbH, auch die Strecke von Bohmte nach Rotterdam (einlagige Containertransporte) wirtschaftlich durchführen zu können, wenn in Emmerich "eine oder zwei Lagen" Lagen hinzugeladen würden.

Bei der Fragestunde der Bundesregierung am 13. März 2019 hatte Staatssekretär Steffen Bilger diese Behauptung artig wiederholt, ohne einen Nachweis darüber zu führen.

Auch in der örtlichen Presse wurde die Behauptung ohne Beleg und ohne Überprüfung veröffentlicht.

Wir fragen uns allerdings, warum HWL und Bundesregierung glauben, ein Schiffer, der von Rotterdam bis Emmerich vierlagig fährt, würde drei Lagen in Emmerich abladen und mit einer Lage bis nach Bohmte weiterfahren, obwohl er damit nicht einmal seine eigenen Kosten reinfährt?

Deshalb wir haben das mal nachgerechnet:

 

Die Mindestanforderung  für einen wirtschaftlichen Containerverkehr auf Binnenschiffen sind zwei Containerlagen. Mit zwei Lagen entsprechen die Erlöse ungefähr den Kosten, das heißt, ein Schiffer macht zwar noch keinen Gewinn, fährt aber auch keine Verluste ein. Die Sache endet ungefähr plus/minus Null. Erst danach - also mit weiteren Lagen - wird das Geschäft lukrativ.

 

Die Gesamtlänge der Strecke Bohmte-Rotterdam beträgt ziemlich genau 400 km: 54 km auf dem Mittellandkanal von Bohmte bis Bergeshövede, 91 km auf dem Dortmund-Ems-Kanal bis Datteln, 61 km auf dem Wesel-Datteln-Kanal bis Wesel, 42 km auf dem Rhein bis Emmerich, 150 km weiter auf dem Rhein vom Emmerich nach Rotterdam.

 

Wenn ab Emmerich eine weitere Lage hinzugeladen wird (zweilagig ab Emmerich), ergibt das:

   250 km x 1 Lage    = 250 Lagenkilometer

+ 150 km x 2 Lagen = 300 Lagenkilometer

   Summe:                  = 550 Lagenkilometer

Teilt man das durch 400 Km, sind das 1,375 Lagen. Eine durchschnittliche Zweilagigkeit wird also nicht erreicht.

 

Bei zwei zusätzlichen Lagen (dreilagig ab Emmerich):

    250 km x 1 Lage   = 250 Lagenkilometer

+ 150 km x 3 Lagen = 450 Lagenkilometer

   Summe                   = 700 Lagenkilometer

Ergibt 1,75 Lagen, immer noch keine durchschnittliche Zweilagigkeit.

 

Bei drei zusätzlichen Lagen (vierlagig ab Emmerich):

   250 km x 1 Lage    = 250 Lagenkilometer

+ 150 km x 4 Lagen = 600 Lagenkilometer

   Summe                   = 850 Lagenkilometer

Ergibt 2,125 Lagen. Eine durchschnittliche Zweilagigkeit ist knapp erreicht.

 

Die Frage ist aber, ob mit dem Mehraufwand in Emmerich diese knappe durchschnittliche Zweilagigkeit noch ausreicht, um zumindest einen Gleichstand zwischen Kosten und Erträge zu erreichen. Immerhin müssen bei 4 Lagen ab Emmerich 3/4 der Ladung ergänzt werden, was einen deutlichen Mehraufwand bedeutet. Also fünflagig ab Emmerich?

 

Bei vier zusätzlichen Lagen (fünflagig ab Emmerich):

   250 km x 1 Lage    = 250 Lagenkilometer

+ 150 km x 5 Lagen = 750 Lagenkilometer

   Summe                   = 1000 Lagenkilometer

Ergibt 2,5 Lagen.

 

Allerdings können unseres Wissens nach 5 Lagen nur von JOWI-Schiffen geladen werden. Und die fahren dort, wo sie ihre Stärken auch ausspielen können: Auf dem Rhein. Außerdem verursachen diese Schiffe höhere Kosten. Sie können zwar mehr Ladung transportieren, müssen das aber auch, um ihre Kosten wieder hereinzuspielen. Der Rentabilitätspunkt verschiebt sich nach oben und es ist fraglich, ob 2,5 Lagen dann noch ausreichen. Ganz abgesehen davon, dass sie auf einer Vb-klassifizierten Strecke überhaupt nicht fahren dürfen.

 

Die HWL- und Staatsekretärs-Behauptung, mit "ein bis zwei Lagen" Zuladung wäre das Projekt wirtschaftlich, deckt sich daher leider nicht mit der Realität.

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