interessantes Interview

Osnabrücker Stadtwerke-Vorstand gibt indirekt Hafenverlagerung nach Bohmte zu

NOZ-Sonderbeilage der Logistik-Lobby
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In einem Interview zur Zukunft des Osnabrücker Hafens (oben) gibt sich Stadtwerke-Vorstand Rolfes zuversichtlich, obwohl er seit Jahren und bislang vergeblich Lösungen für den Hafen gesucht hatte.

Eine dieser Lösungsansätze, der allerdings bislang geleugnet wurde, ist die Verlagerung des Hafengeschäfts nach Bohmte. Nun fällt in dem Interview der interessante Satz: "Gemeinsam mit dem Landkreis verfolgen wir ein trimodales Konzept mit dem Oberbegriff 'Ein Hafen mit zwei sich ergänzenden Standorten': Der Warenumschlag Straße/Schiene in Osnabrück sowie der Umschlag Wasserstraße-Straße am Hafen Stirpe-Oelingen bei Bohmte."

Also nicht mehr nur Container in Bohmte und Schüttgüter in Osnabrück, wie es bislang immer hieß, sondern ganz klar: Schiffsumschlag nur noch in Bohmte. Das wäre dann tatsächlich eine faktische Hafenverlagerung von Osnabrück nach Bohmte, was bislang ja immer bestritten wurde.

Die in dem Interview erwähnten Prognos-Studie zur Potenzialsteigerung des Osnabrücker Hafens wird von uns sehr kritisiert und ist in unseren Augen reine Augenwischerei. Beispielsweise wird eine Ausbaggerung der Hafensohle von 2,50 m auf 2,80 m Tiefe gefordert, aber nicht gefragt, warum diese vergleichsweise einfache Maßnahme nicht schon längst stattgefunden hat. Laut Wasser- und Schifffahrtsamt beträgt die Abladetiefe im Stadthafen aber nicht 2,50 m, sondern nur 2,30 m, laut Niedersächsischer Landesregierung (Quelle s.u.) sogar nur 2,20 m.

Die hatte sich auch schon vor einiger Zeit mit dem Thema befasst, aber eine Vertiefung verworfen: „Die Anpassung des Hafenbeckens an den Ausbaustandard des Stichkanals (Tieferlegung Hafensohle) ist allerdings eine notwendige und wichtige Voraussetzung für die zukünftige Nutzung des Hafens, aus bautechnischen Gründen ist dies jedoch nicht in vollem Umfang möglich.“ (Quelle , S. 26-28).

Diese „technischen Gründe“ liegen in der Statik der Spundwände begründet, die ganz einfach zu kurz für eine weitere Ausbaggerung sind. Eine Vertiefung ist also nicht möglich, ohne die Spundwände zu erneuern, was einem kompletten Hafen-Neubau gleich käme, also vollkommen unrealistisch ist.

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Kommentare: 2
  • #1

    Susi7 (Donnerstag, 03 September 2020 09:20)

    Spannend ist auch der Schluss des Interviews. Der Hafen trägt sich nicht selbst sondern wird über Grundstücks-Pachten und Bahntransporte querfinanziert.

  • #2

    DIE (Samstag, 05 September 2020 18:39)

    wirklich interessantes Interview. Rolfes erzählt genau das nach was in dem Prognos Gutachten steht. Obwohl das zu 90% Quatsch ist.
    warum macht er das?
    Was steckt den jetzt wieder für eine dumme Absicht dahinter?