Die Industrie- und Handelskammer und der Containerhafen

IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim gibt fragwürdige Stellungnahme für geplanten Containerhafen in Bohmte ab

Nicht zuletzt das Münsteraner Gutachten hat gezeigt, dass ein Containerhafen an dem geplanten Standort wirtschaftlich keinen Sinn macht. Weil die Pläne von der Hafen-Wittlager-Land-GmbH aber trotzdem weiter verfolgt werden, gehen wir davon aus, dass hinter dem Containerhafen eine „hidden agenda“ steckt. Dass also der Containerhafen nur vorgeschoben wird, um das eigentlich Ziel zu verbergen. Die Indizien sprechen dafür, dass es sich bei dieser "hidden agenda" um die Verlagerung des Osnabrücker Stadthafens nach Bohmte handelt.

Die Industrie- und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim hat nun ein weiteres Indiz geliefert. In ihrer Zeitschrift „ihk-positionen“ vom Dezember 2019  schreibt sie:

„Ebenso wie der Schienengüterverkehr bietet der Wasserstraßentransport Vorteile hinsichtlich der Emissionsbelastung je zurückgelegten Tonnenkilometer. Die Wasserstraße ist aktuell der einzige Verkehrsträger mit größeren Kapazitätsreserven. Insofern ist die Wasserstraße auch für die Region Osnabrück ein wichtiger Verkehrsträger.

Dementsprechend sollte die Hafenentwicklung in der Region weiter vorangetrieben werden. Aktuell befinden sich zwei Terminals für den Kombinierten Verkehr in Planung: ein Schiene-Straße-Terminal im Hafen der Stadt Osnabrück und ein Straße-Wasserstraße-Umschlagpunkt am Mittellandkanal in Bohmte. Diese beiden Projekte sollten zügig umgesetzt werden, so dass die sich ergebenen Chancen für die Unternehmen genutzt werden können.“

Klingt schön, ist aber gleich mehrfach falsch:

  • Das erwähnte Osnabrücker Terminal ist gar kein Hafen, sondern ein Güterbahnhof („Schiene-Straße-Terminal“), hätte also Im IHK-Papier unter den Punkten „Schieneninfrastruktur“ und/ oder „Straßeninfrastruktur“ behandelt werden müssen. Ein Zusammenhang mit dem Thema „Hafen“ besteht lediglich historisch-geografisch, weil der Osnabrücker Stadtteil „Hafen“ heißt. Mit der Formulierung "... im Hafen ..." wird zwar suggeriert, dass es sich um Schifffahrt handelt, tut es aber nicht:
    Mit Schifffahrt hat das Osnabrücker Terminal nichts zu tun.
  • Betrachtet man „zurückgelegte Tonnenkilometer“ ist die Umweltbelastung bei Schiffen tatsächlich geringer als bei LKWs. Aber wie wir bereits in unserer Analyse der Bode-Stellungnahme dargestellt haben, handelt es sich bei Container um relativ leichte Fracht, bei der dieser Vorteil nicht zum Tragen kommt. Die IHK wirbt mit der Stärke der Binnenschifffahrt beim Transport von schweren (Massen-)Gütern, obwohl es bei diesem Projekt um leichte Güter geht.
    Sie argumentiert mit Äpfeln und Birnen.
  • Es ist unbestritten, dass der begrenzende Faktor beim Binnenschiff-Containertransport die Brückenhöhen sind. „Kapazitätsreserven“ hat die Binnenschifffahrt daher lediglich für Güter, die keinen Bedarf an hohe Brücken stellen, also Massen-, Schwer- und Schüttgüter. Nicht aber für Container!
    Die Argumentation, weil auf den Kanälen noch Platz sei, würde ein Containerhafen in Bohmte die Straßen entlasten, ist falsch.
  • Alle bisher vorgebrachten Argumente, die gegen einen Containerhafen in Bohmte sprechen, werden von der IHK komplett ignoriert.
    Sie stellt das Thema einseitig und falsch dar.

Sieht man von der mangelhaften Argumentation ab, verrät das IHK-Papier aber sehr deutlich, dass das Ziel verfolgt wird, in Osnabrück in Zukunft den Schiene-Straße-Umschlag, in Bohmte den Schiffsumschlag stattfinden zu lassen. Also eine faktische Hafenverlagerung von Osnabrück nach Bohmte. Insgesamt zeigt sich also ein Bild mit einem großen Güterbahnhof in Osnabrück und einem noch größeren Industriehafen in Bohmte, das uns die Damen und Herren aus Politik und Wirtschaft vorlegen. Ohne uns jemals gefragt zu haben. Im Gegenteil: Eine Hafenverlagerung wurde und wird von allen Beteiligten vehement bestritten.

Als Sprachrohr unheiliger Allianzen aus Politik und Wirtschaft betätigt sich die IHK nicht das erste Mal. Die Nachbargemeinde Bissendorf durfte das schon vor 10 Jahren erleben. Die Argumentationen waren damal übrigens sehr ähnlich. Schon damals wurden Äpfel mit Birnen verglichen und eine geschönte und suggestive Darstellung des Projekts der Öffentlichkeit präsentiert.

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Kommentare: 6
  • #1

    E.H. (Freitag, 07 Februar 2020)

    Die IHK ist eine staatlich organisierte Lobbyorganisation für die Industrie. Durch die Zwangsmitgliedschaft sind die Kriegskassen der Kammern prall gefüllt.
    Es gibt inzwischen große Kritik daran (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kritik-an-ihk-meuterei-in-der-handelskammer-1.1451014) und in einigen Städten haben sich "Kammerrebellen" gebildet (https://de.wikipedia.org/wiki/IHK-Rebellen).
    Die IHKs gehören abgeschafft!

  • #2

    J (Mittwoch, 19 Februar 2020 22:27)

    Zunächst einmal wäre es eine gute Sache, wenn der Osnabrücker Hafen einem Wohnviertel mit Bars und Grünflächen/Parks weichen würde. Die Industrie wäre sicher besser direkt am Mittellandkanal mit guter Straßennbindung untergebracht, als mitten in einer Großstadt (wo Wohnraum knspp ist)!
    Aktuell ist überall das selbe Bild, ob Bohmte oder Grünheide (Brandenburg): Umweltschüter legen grüne Bauprojekte mit Klagen etc. lahm.
    Wie schreibt es der Focus:
    Die in Mode gekommene Industriefeindlichkeit bedroht Wohlstand und Arbeitsplätze. Gut möglich, dass es später im Geschichtsbuch heißen wird: Deutschland ergrünte – und stieg ab.
    Bei solchen Projekten muss auch über den Tellerrand geschaut werden an auf die nächsten Jahre/Jahrzehnte geschaut werden und nicht nur aufs hier und heute.
    Wieviele Menschen im WittlagerLand sind eigentlich wirklich gegen diesen Hafenstandort? Oder ist es die Meinung einzelner?

  • #3

    Martin Becker (Donnerstag, 20 Februar 2020 10:45)

    @ J.:
    Dir / Ihnen scheint es also klar zu sein, dass der Osnabrücker Hafen und seine Industrien nach Bohmte wandern. Das wird aber von den Hafen-Verantwortlichen bisher geleugnet.
    Wenn die Hafen- und Industrieverlagerung tatsächlich geplant ist, aber die Betroffenen darüber nicht informiert werden, wie würdest Du / würden Sie das beurteilen?
    Ist das korrekt? Darf man das, wenn „Wohlstand und Arbeitsplätze“ bedroht werden? Oder schöne Wohnplätze mit Bars und Grünflächen in der Stadt entstehen (und auf dem Land vernichtet werden)? Rechtfertigt ein (angeblich) übergeordnetes Interesse eine derartige Vorgehensweise?
    Und das Argument, dass Umweltschützer grüne Bauprojekte beklagen, sich also quasi selbst beschädigen, funktioniert tatsächlich genau andersherum: Wirtschaftliche Interessen werden als „grün“ deklariert, um Proteste gegen sie auszuhebeln. Das Bohmter Containerhafenprojekt ist ein schönes Beispiel dafür. Oder das Projekt, aus Klimaschutzgründen eine neue Bahntrasse zwischen Hannover und Bielefeld bauen zu wol-len (https://bi-auetal.de/ ). „Aus Klimaschutzgründen“ brauchen wir WENIGER, statt mehr Trassen! Klimaschutz muss für vieles herhalten, das tatsächlich genau das Gegenteil bewirkt.

  • #4

    no (Donnerstag, 20 Februar 2020 15:39)

    Das ist schon fast irrsinnig: Erst schließt die Bahn Strecke um Strecke, dann kommt der Klimawandel und dann werden nicht etwa die stillgelegten Strecken wieder aktiviert - nein - dann sollen im Namen des Klimawandels nagelneue Strecken gebaut werden! Was das mit Klimaschutz zu tun hat?

  • #5

    anonym (Freitag, 21 Februar 2020 11:11)

    Obacht, ein Focus-Leser.
    Helmut Markwort, Gründer, ehemaliger Herausgeber und jetziger Mitherausgeber des "Focus" ist FDP-Politiker und sitzt seit 2018 im bayerischen Landtag. Vor der Focus-Gründung arbeitete er bei u.a. "Gong" und "Ein Herz für Tiere".
    Der Focus vertritt eine FDP-nahe, das heißt: unternehmensfreundliche Politik (https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Markwort).

  • #6

    Bauer M (Montag, 24 Februar 2020 20:17)

    Ich möchte noch mal auf " J " zurückkommen. Die Ansiedlung von Gewerbe ist nach dem gültigen Bebauungsplan von 2002 doch möglich. Und es steht der Hafen Wittlager Land auch frei den verstaatlichten Hafen zu betreiben. Man bräuchte nur morgen früh das Tor aufschließen und Ware umschlagen.
    Die Frage, die ich mir stelle : Warum musste der private Hafen mit Steuergeld verstaatlicht werden ? Damit er stillgelegt wird ???