Ein- oder zweilagig?

HWL-GmbH widerspricht sich selbst

Um die Frage, ob Containertransporte per Binnenschiff zwischen Bohmte und den Westhäfen (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Zeebrügge) wirtschaftlich möglich sind, wird heftig gestritten. Mit dieser Frage ist logischerweise auch das Problem verknüpft, ob der geplante Containerhafen in Bohmte überhaupt Sinn macht, oder eher nicht.

Da die Wirtschaftlichkeit davon abhängt, wie viele Container auf ein Schiff passen - also wie viele Container an Bord übereinander gestapelt werden können, liegt die Antwort letzlich an den Brückendurchfahrtshöhen auf der Strecke: „Sind in der Massengutschifffahrt die zulässigen Schiffsabmessungen und der Tiefgang die limitierenden Faktoren, so sind es in der Containerschifffahrt die Brückendurchfahrtshöhen.“ (Quelle, S.9).

Wie wir bereits mehrfach dargestellt haben, sind die Brückenhöhen auf dem Dortmund-Ems-Kanal, dem Wesel-Datteln-Kanal oder dem Rhein-Herne-Kanal, die auf der Strecke passiert werden müssen, für einen zweilagigen Containertransport (5,25 Meter) zu niedrig.

Die Befürworter behaupten nun:

Ein zweilagiger Transport sei dennoch möglich, die Container müssten nur schwer genug sein (Stellungnahme Prof. Bode).

Wir halten das für eine seltsam krude und wirklichkeitsfremde Argumentation.

Laut den Jahresberichten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wird die Strecke vorwiegend mit leeren und nur zu 4,5 % mit beladenen Containern befahren. Noch dazu mit absoluten niedrigen Zahlen von 61,5 TEU pro Jahr,

also vielleicht 50 beladene Container insgesamt. Die Befahrbarkeit mit schweren Containern oder einer zusätzlichen Ballastierung findet also tatsächlich so gut wie nicht statt und scheint für die Binnenschifffahrt auf der Strecke nicht infrage zu kommen (Analyse der Stellungnahme ebd.).

Besonders interessant ist aber, dass die HWL-GmbH anfangs ebenfalls der Meinung war, dass Transporte in dieser Richtung nur einlagig erfolgen können:

„Die Tatsache, dass in Richtung Hamburg über die Weser nur zweilagig und in Richtung Antwerpen bis zum Rhein nur einlagig Container transportiert werden können, ist in den Planungen der HWL berücksichtigt.“ (Quelle, S. 3, vom 1.9.2015)

Die Argumentation, die Strecke mit besonders schweren Containern trotz der Brückenhöhen wirtschaftlich befahren zu können, scheint der HWL-GmbH also erst im Laufe des Verfahrens und erst nach unseren Protesten eingefallen zu sein.

Was sehr nach einer nachträglichen Rechtfertigung für die Planung aussieht, statt einer soliden Beweisführung. Diese Einschätzung wird durch eine erstaunliche Unkenntnis der grundlegenden Materie bestätigt, denn Hamburg ist nicht über die Weser, sondern über die Elbe bzw. den Elbe-Seiten-Kanal zu erreichen.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass sich die HWL-GmbH weigert, sachliche Realitäten in ihre Planungen einzubeziehen, und stattdessen lieber welt- und realitätsferne Scheinargumente aufstellt.

Worauf sich die zwingende Frage ergibt, warum das so ist.

Wir ziehen daraus den Schluss, dass die Öffentlichkeit mit Scheinargumenten wie oben davon abgelenkt werden soll, dass der Hafen als Containerhafen keinen Sinn macht. Weil aber an der Planung trotzdem festgehalten wird, muss es daher um etwas anderes als um Containertransporte gehen: Eine "hidden agenda" also, ein Plan, der sich hinter dem Containerhafen-Projekt verbirgt.

Organisationsschema der Stadtwerke-Beteiligung am Bohmter Hafen
Organisationsschema der Stadtwerke-Beteiligung am Bohmter Hafen

Sehr wahrscheinlich ist, dass es sich bei dieser "hidden agenda" um einen Ausweichstandort für den Osnabrücker Hafen der Stadtwerke Osnabrück handelt. Es gibt sehr viele Indizien dafür, hauptsächlich die Machbarkeitsstudie 2008 und das Organisationsschema aus dem Vortrag von Stadtwerke-Mitarbeiter Dipl. Ing. Jürgen Werner vom 4.12.2013 vor der IHK Oldenburg, nach dem die Stadtwerke-Tochter EHB-GmbH als zwischengeschaltete Betreiberin oder Vermieterin über den Bohmter Hafen verfügen soll.

Falls also auf diesem Wege eine Verlagerung des Osnabrücker Hafens nach Bohmte an der Bevölkerung vorbei gemogelt werden sollte, hätte das erhebliche Konsequenzen für die Region. Die Industrien, die bislang am Osnabrücker Hafen angesiedelt sind, müssten ebenfalls umziehen, viele würden erweitern, neue würden angesiedelt. Bohmte würde der industrielle Vorort von Osnabrück!

Ein Plan mit solcher Tragweite würde von der betroffenen Bevölkerung abgelehnt werden, weshalb die Verantwortlichen eine Diskussion darüber gerne vermeiden möchten.

So geht das aber nicht! Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft und nicht in einem Obrigkeitsstaat. Die Bürger wollen nicht bevormundet werden. Politik muss offen und transparent agieren, sonst verliert sie ihre Legitimität!

Was wäre denn eigentlich so schlimm an einer offenen Diskussion? Was spricht dagegen? Warum sollte man nicht über die beengte Lage des Osnabrücker Hafens diskutieren und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten suchen? Was hindert uns daran, vernünftig mit dem Problem umzugehen?

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Kommentare: 4
  • #1

    I (Dienstag, 02 Juni 2020 16:14)

    Wenn ich Ihre Quelle (Planco) richtig lese, sind 2 lagige Containerverkehre Richtung Westen möglich?! (Seite 10)
    (Eingeschränkt, also ballastiert)

  • #2

    Martin Becker (Mittwoch, 03 Juni 2020 21:15)

    Hallo I,
    Du bist ja einer unserer eifrigsten Leser, sehr schön. Wobei ich allerdings immer mehr den Eindruck gewinne, dass Du unbedingt Haare in unserer Suppe finden möchtest.
    Was Deinen Kommentar angeht, bitte den Zusammenhang beachten. Die Fa. Planco berichtet über große Probleme, die die Containerschifffahrt im Bereich der westdeutschen Kanäle hat.
    "Dies Problem tritt in besonderem Maße beim RHK auf. Durch die niedrigen Brücken (niedrigste Durchfahrtshöhe 4,40 m) sind 2-lagige Containerverkehre nur mit größten Schwierigkeiten durchführbar. Insbesondere ist davon der Leercontainertransport betroffen: Um einen hinreichenden Tiefgang der Schiffe zu erzielen, ist nur ein begrenzter Anteil von Leercontainern möglich, überschüssige Leercontainer müssen mit anderen Verkehrsmitteln befördert werden. Der RHK ist damit zurzeit in NRW die größte potenzielle Schwachstelle für Binnenschiffscontainerverkehre."
    Ohne Leercontainer keine Vollconteiner.

  • #3

    Susi7 (Freitag, 05 Juni 2020 17:58)

    @ I
    Darum geht es doch gar nicht. Es geht um die miese Öffentlichkeitsarbeit der HWL und um den offensichtlichen Eindruck, dass wir übers Ohr gehauen werden sollten.
    Der Containerhafen hat sich ja jetzt erledigt. Der Eindruck aber war prägend, das bleibt.

  • #4

    NN (Samstag, 06 Juni 2020 21:53)

    I,
    Sie messen mit zweierlei Maß. In Wehrendorf am MLK mit 5,25 m Brückenhöhen und bereits existierenden Containerbrücke wollen Sie die nicht nutzen, weil "... für Container besteht eine besondere Herausforderung..."
    Beim DEK mit niedrigeren Brücken soll der Containertransport aber kräftig brummen.
    ???